Schloss und Park Lázeň

Die Geschichte eines Sitzes, der aus der Kurtradition entstand, zum Sommerschloss wurde und heute wieder der Familie Czernin sowie dem kulturellen Leben dient.

Geschichte in vier Stationen

Im 19. Jahrhundert ließen die Grafen Czernin von Chudenic, in der Nähe ihres im gleichnamigen Ort gelegenen Stammschlosses einen weiteren Sitz errichten. Er sollte der Kur dienen. Heute ist er als Schloß Lázeň bekannt. Dank des Grafen Johann Rudolf endstand an einer Heilquelle südwestlich des Ortes nach dem Plan des Architekten F. M. Kaňka um 1728 ein Kurhaus mit einer Kapelle über der Quelle. In den Jahren 1792–94 wurde ein neues Kurhaus gebaut, das Graf Eugen Karel zwischen 1821 und 1823 in ein luftiges Sommerschloß umbauen ließ. Rundherum ließ er auf einer Fläche von rund 12 ha einen hübschen englischen Park anlegen, mit romantischen Ausblicken auf die Landschaft und exotischen Baumarten und richtete dafür in der Nähe auch eine Baumschule ein.

Als Erzieher der gräflichen Kinder lebte auch Josef Dobrovský hier. Auch Platzes František Palacký und der Botaniker Ladislav Čelakovský, der an der Auswahl der Pflanzen für das Arboretum beteiligt war, genossen das Flair des Platzes.

Das Schloß wurde danach noch mehrmals umgebaut. Seine heutige klassizistische Form – ein einstöckiges Gebäude mit seitlichen Risaliten – stammt aus den Jahren 1849 – 59. Auch die über den ursprünglichen Park hinausgehende Umgebung wurde in ihn einbezogen (z. B. Theresiengarten, Weg zur Kapelle St. Wolfgang, Jaromír-Wiese).

Die Czernins wohnten hier hauptsächlich in den Sommermonaten. Nach dem Krieg wurde es ihnen weggenommen und als Erholungs- und Ausbildungszentrum der Pilsener Brauerei zugeteilt.

Im September 2009 schloss Karl Eugen Czernin mit der Brauerei einen außergerichtlichen Vergleich über die unendgeltliche Rückgabe des Schlosses. Heute dient es der Familie wieder als Sommerresidenz und ist auch Austragungsort verschiedener Events.

1728

Die Heilquelle gab dem Ort seine erste Richtung

Südwestlich von Chudenice, an einem Ort mit Heilquelle, ließ Johann Rudolf Czernin nach dem Entwurf des Architekten F. M. Kaňka ein Kurhaus mit einer Kapelle über dem Brunnen errichten. Es war kein repräsentativer Palast, sondern ein Rückzugsort für Erholung, Gesundheit und Ruhe außerhalb des Stammschlosses im Ortskern.

Gerade die Verbindung von Wasser, Landschaft und Abgeschiedenheit prägte den Charakter von Lázeň für die nächsten Jahrhunderte.

Der Anfang der Geschichte: Ort der Heilquelle und erstes Kurhaus.

Archivaufnahme: Blick in den Park und zum Schloss Lázeň.
Archivaufnahme: Blick in den Park und zum Schloss Lázeň.
Zufahrt zum Schloss unter einer Baumallee, Archivfoto.
Zufahrt zum Schloss unter einer Baumallee, Archivfoto.

1792–1823

Aus dem Kurhaus wurde ein luftiges Sommerschloss

Zwischen 1792 und 1794 entstand ein neues Kurhaus. Einige Jahrzehnte später ließ Eugen Karel Czernin es in einen leichten Sommersitz verwandeln, der nicht mehr nur Kurgästen diente, sondern dem Aufenthalt, Gesprächen und dem sommerlichen Rhythmus der Familie.

Rund um das Schloss entwickelte sich ein englischer Park von etwa 12 Hektar mit Blickachsen in die Landschaft, exotischen Gehölzen und einer eigenen Baumschule.

Die entscheidende Wende: Aus einem Ort der Gesundheitsfürsorge wird ein Schloss in komponierter Landschaft.

Historische Ansicht des Schlossensembles und der Umgebung.
Historische Ansicht des Schlossensembles und der Umgebung.
Front der Sommerresidenz in einer Archivaufnahme.
Front der Sommerresidenz in einer Archivaufnahme.

1849–59

Klassizistische Gestalt und ein Park, der Gelehrte anzog

Das heutige Erscheinungsbild des einstöckigen Gebäudes mit seitlichen Risaliten entstand beim klassizistischen Umbau in den Jahren 1849 bis 1859. Auch die unmittelbare Umgebung wurde weiter als durchdachte Kulturlandschaft mit Wegen, Gärten und Ausblicken gestaltet. Spätestens damals schrieb sich Lázeň als Sommerresidenz mit kultureller Ausstrahlung in die Region ein.

Hier hielten sich Josef Dobrovský, František Palacký und der Botaniker Ladislav Čelakovský auf, der an der Auswahl der Pflanzen für das Arboretum beteiligt war.

Lázeň war nicht nur ein Wohnsitz. Es war auch ein Ort für Begegnungen, Lektüre, Spaziergänge und Landschaftsbeobachtung.

Hang und Landschaftsdurchblicke, Aufnahme von 1927.
Hang und Landschaftsdurchblicke, Aufnahme von 1927.
Seitenansicht mit Parkgrün, Archivfotografie.
Seitenansicht mit Parkgrün, Archivfotografie.

1945–2009

Nach dem Krieg entzogen, Jahrzehnte später zurückgegeben

Nach dem Krieg wurde das Areal der Familie Czernin entzogen. Das Schloss diente als Erholungs- und Ausbildungszentrum des volkseigenen Unternehmens Pilsener Brauerei, außerdem befand sich hier ein bekanntes Restaurant. Seine Funktion änderte sich, doch der Ort blieb Teil des regionalen Gedächtnisses.

Im September 2009 einigten sich die Brauereien und Karl Eugen Czernin außergerichtlich auf die unentgeltliche Rückgabe des Schlosses.

Der größte Einschnitt des 20. Jahrhunderts: Verlust des Familiensitzes und seine spätere Rückkehr.

Areal in späterer Nutzung, Archivdokumentation.
Areal in späterer Nutzung, Archivdokumentation.
Hauptfront des Schlosses, Archivaufnahme.
Hauptfront des Schlosses, Archivaufnahme.

gegenwärtig

Das Schloss dient wieder als Sommerresidenz und Ort der Begegnung

Seit der Rückgabe an die Familie im Jahr 2009 ist Lázeň erneut mit den Czernins von Chudenice verbunden. Zugleich bleibt es ein lebendiger Ort für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen, an dem die historische Schicht nicht gegen die Gegenwart steht, sondern fließend in sie übergeht.

Die Geschichte des Schlosses ist kein abgeschlossenes Kapitel. Es ist eine Landschaft, in die das Leben immer wieder zurückkehrt.

Die gegenwärtige Etappe schließt selbstverständlich an die Rückgabe an die Familie und die heutige kulturelle Nutzung des Areals an.

Sommerlicher Weg zur Schlossfront in der heutigen Gestalt.
Sommerlicher Weg zur Schlossfront in der heutigen Gestalt.
Das Schloss aus dem Park — Ruhe der Weiten und des Grüns.
Das Schloss aus dem Park — Ruhe der Weiten und des Grüns.