Die Familie Czernin von Chudenice

Eine Familie, deren Name seit Jahrhunderten mit Chudenice verbunden ist und die zu den am längsten belegten Adelslinien der böhmischen Länder zählt.

Nach der Chronik gründete ein Czernin im Jahr 1200 die Kirche in Chudenice. Laut Palacký gerade jener, 1192 erstmals urkundlich erwähnte Graf Czernin, der Přemysl Otakar I. aus seinem zweiten Exil in Sachsen zurück nach Böhmen geholt und anschließend Frieden zwischen dem Herzog und seinem Bruder Vladislav Jindřich gestiftet hatte. Chudenice gehörte zweifellos zum Besitz dieses Grafen Czernin. Hier gewohnt dürfte er allerdings nicht haben, der Ort war überhaupt kein Herrensitz.

Familiennamen, so auch Czernin, werden in Böhmen erst seit dem 14., spätestens 15. Jahrhundert verwendet. Bis dahin wurden Herren und Ritter nach ihrem Sitz benannt, den sie – also quasi ihren Nachnamen – im Laufe ihres Lebens manchmal sogar mehrmals wechselten. Die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht läßt sich daher nicht nach dem Namen, sondern nur aus Verwandtschaftsverhältnissen oder dem Besitz ableiten. In der südlichen Region Pilsen, also auch über Chudenice, herrschte seit grauer Vorzeit ein Geschlecht sichtlich ursprünglicher Stammesfürsten, das Palacký nachträglich als „Drslavce“ bezeichnete, da Drslav bei ihnen ein häufiger Vorname war. Die Czernins sind ursprünglich Teil dieses Geschlechts. Im 14. Jahrhundert etablierte sich langsam „Czernin“ als Familienname. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch diese altböhmische Schreibweise. Die Ursprünge der Czernins bzw. Drslavce und des Ortes Chudenice liegen somit gemeinsam in derselben quellenlosen Dunkelheit, aus der sie allmälich hervortreten und bis heute miteinander verbunden sind. „Von Chudenic“ ist als Teil des heutigen Familiennamens also älter als „Czernin“. Die eigentliche sagenhafte Wiege der Familie Czernin – den Kamin – können Sie im alten Czernin`schen Schloß in Chudenice (https://www.zamekchudenice.cz/zamekchudenice/) besichtigen.

Ein solcher Zeitrekord in Böhmen, von spätestens 1192 bis heute, wäre nur noch mit Neuhaus (Jindřichův Hradec, https://www.zamek-jindrichuvhradec.cz/cs) vergleichbar, das indes nach dem Krieg mit seiner Familie auseinandergerissen wurde. Auch dieser Sitz wurde nämlich ununterbrochen ausschließlich in der Line des Blutes vererbt. In diesem Fall sind es über die Grafen Slavata abermals die Czernins von Chudenic, die aufgrund von Erbfolge und königlicher Dekrete das Haus Rosenberg und das der Herren von Neuhaus (Hradec) weiterführen. Davon zeugt heute nur noch der aus dem 14. Jhdt. stammende rosenbergische Titel „Regierer“, der dem jeweiligen Czernin´schen Familienchef stets zukommt.

Wappen der Familie Czernin von Chudenic
Die mit Schloss Lázeň verbundene Familie Czernin